Beyoncé: Album und Konzert Review – Good job Bey

July 22, 2016

Album – “Lemonade”

“Lemonade” heißt das neue Album von Beyoncé und es polarisiert wohl wie keines zuvor. Während einige das Werk bereits Anfang Mai als “Album des Jahres” feiern wollten, sind andere über alle Maßen enttäuscht und scheinbar auch geschockt, was aus der einstigen braven Girl-Group Sängerin von Destiny’s Child geworden ist.

Ja, Beyoncé schockt die Welt mit ungewohnter Wut und zahlreichen Provokationen, verpackt in teils unangepasst aggressive Texte und unkonventionelle Stilrichtungen. Aber das ist keinesfalls enttäuschend, sondern zeugt von ihrer großen Entwicklung: Das kleine schwarze Mädchen aus Texas ist zur selbstbewussten, emanzipierten, mega-erfolgreichen Powerfrau herangewachsen. Das ist die Botschaft, die sie nun hinausposaunt an alle Frauen:

Egal, wo du herkommst oder wer du bist, lass dich nicht verarschen! Zieh dein Ding durch, souverän, selbstbewusst und erfolgreich!

Ihre Botschaft könnte kaum besser transportiert werden als durch den Albumtitel “Lemonade”, angelehnt an den bekannten Glückskeks-Kalenderspruch: “Wenn das Leben dir Zitronen gibt, dann mach gefälligst Limonade draus.” Das Gesamtwerk stimmt einfach perfekt. “Lemonade” ist persönlich, musikalisch und politisch.

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Der Film

Wer das Werk gänzlich verstehen möchte, kommt um den etwa einstündigen Film, der im Album enthalten ist, nicht herum. Auf diesen muss man sich wirklich einlassen – was als ‘non-native speaker’ zugegebener Maßen nicht durchgängig leicht fällt. Aber Durchhalten lohnt sich! Vor allem für alle Fans, die sich neben der Musik auch für das Leben der POP-Diva interessieren. Denn es ist nicht nur ein gewöhnlicher Videoclip. Zwar gibt es keine Handlung, trotzdem ist es alles andere als oberflächlich. Es ist Kunst von der ersten bis zur letzten Minute und es enthält Geschichte – sowohl private als auch gesamtgesellschaftliche.

Einerseits erzählt der Film von der tiefen, bedingungslosen Liebe. Aber anders als in ihren bisherigen Alben geht es diesmal vor allem um deren Schattenseiten: Verletzung, Betrug, Wut, rasende Eifersucht und eine Ehe, die sich immer neu bewähren muss.

Andererseits geht es um die Unterdrückung schwarzer Frauen, Gleichberechtigung, Emanzipation und den in Beyconcé wahrgewordenen amerikanischen Traum.

Auf Beyoncés Instagram-Account findet man eine kurze Vorschau zum Film:

#LEMONADE premieres on 4.23 9ET | 6PT HBO

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Inhalt und Songs

Der Film ist verpackt in 12 gut durchdachte Albumsongs und perfekt aufeinander abgestimmt.

Er beginnt mit einer klassischen Ballade “Pray you catch me”, die die Geschichte einer schwarzen Frau erzählt, belogen, betrogen und gedemütigt von der Liebe ihres Lebens. Der Song sorgt für einen guten Einstieg in das Thema, ohne viel vorweg zu nehmen.

Im zitronengelben Kleid kehrt sie mit “Hold up” zurück. Vor Eifersucht verrückt geworden und der Zerstörungslust verfallen, verwüstet sie zunächst mit einem Baseballschläger, dann mit einem Monstertruck einen ganzen Straßenzug.

Im rauen, schrillen “Don’t Hurt Yourself” lässt sie dieser mit unangepassten Rasterlocken, einem hitzigen, teils bösartigem Text und provokanten Gesten freien Lauf. Ihr aufreizendes Outfit und eine Pelzweste, die Tierschützern und anderen Pelzhassern bereits übel aufgestoßen ist, tragen ihr Übriges dazu bei. Durch die Location in einer Tiefgarage wirkt der Song noch düsterer, noch gefährlicher. Sicher nicht jedermanns Ding, aber es passt perfekt in den Film: “Wenn du mir weh tust, tust du dir genauso weh.”

Der Song wird unterbrochen durch ein Zitat aus einer Rede von Malcom X von 1962:

“The most disrespected person in America, is the black woman. The most unprotected person in America, is the black woman. The most neglected person in America, is the black woman.” Aber diese Frau hier lässt sich nicht mehr unterdrücken. Mit dem Song verschafft sie sich Respekt.

In “Sorry” ist sie seine Entschuldigungen endgültig leid. Er hat es nicht verdient, dass sie wegen ihm leidet, überhaupt nur an ihn denkt. Sie will eher sterben, bevor er eine Träne von ihr sieht. Mit dem Song demonstriert sie Gleichgültigkeit ihm gegenüber. Sie wird auch ohne ihn ein schönes Leben haben.

Es folgt der Song “6 Inch”. Sie kann selber für sich sorgen, arbeitet hart. Sie verdient ihr eigenes Geld auf ihren “6 Inch” hohen Hacken.

Im sommerlichen Country-Song “Daddy Lessons” erzählt sie, wie ihr Daddy sie zu einem taffen, selbstbewussten Mädchen erzogen hat. Er warnte sie vor den Männern, die mit ihr nur spielen wollen.

In “Love Drought” holt ihre große Liebe sie trotz allem wieder ein. Zusammen sind sie stark, können Berge versetzen und diese schwere Phase ihrer Beziehung hinter sich lassen.

Es folgt “Sandcastles”, eine schöne Ballade, in der sie erkennt, dass jede Beziehung ihre Schwierigkeiten hat, aber die Liebe stärker ist.

Dann wird der persönliche Teil des Films mit “Forward” unterbrochen. Der Song sticht in zweierlei Hinsicht heraus: Zum einen schon deshalb, weil er nicht von Beyoncé selbst, sondern von James Blake performed wird. Vor allem aber, weil er die Brücke schlägt zur gesamtgesellschaftlichen Problematik der Unterdrückung von Schwarzen, indem er all den Opfern der Gewalt gegen Schwarze gedenkt.

Im Anschluss daran folgt mit “Freedom”, sowohl audiovisuell, als auch inhaltlich ein Befreiungsschlag. Es geht um Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit.

Die eindrucksvolle Ballade “All Night” rundet das Album ab. Wahre Liebe muss sich nicht verstecken.

Der Film endet mit einer eindeutigen Botschaft: “Formation”. Ladies formiert euch, schämt euch nicht dafür, wer ihr seid oder wo ihr herkommt, sondern seit stolz und selbstbewusst, dann könnt ihr die ganze Welt beherrschen!

Meine Lieblingsstücke:

  1. Daddy Lessons
  2. Freedom
  3. Sandcastles
  4. Pray You Catch Me
  5. Hold Up
  6. All Night
  7. Sorry

Hier könnt ihr alle Songs mal probehören und euch selbst ein Bild machen :)!

Konzert – The Formation World Tour

Beyoncé

Seit laaanger Zeit schon wollte ich unbedingt auf ein Beyoncé Konzert.

Am 12. Juli 2016 war es endlich soweit :)! Beyoncé ist in der ESPRIT Arena in Düsseldorf aufgetreten und ich war dabei! Die Karten hatten wir schon Monate, die Vorfreude war unermesslich und die Erwartungen entsprechend hoch.

Es war ein toller Abend, eine wirklich sehr gelungene Show. Beyoncé tanzte während des Konzerts durchgehend mit – nein eher tanzte sie allen vor – und stellte damit einmal mehr unter Beweis, was für eine Powerfrau sie ist. Als optisches Highlight befand sich auf der Bühne ein riesiger, dreidemensionaler, sich drehender “Cube-Screen”, der auf allen Seiten entweder die vergrößerte Beyoncé oder Ausschnitte aus dem Albumfilm zeigte. Dies sah besonders bei den Tanzeinlagen toll aus und sorgte dafür, dass man sie überall im Saal richtig gut sehen konnte.

Ein weiteres Bühnenhighlight: Der vordere Teil des Steges, der in den Publikumsbereich hineinführt, wurde bei meinem absoluten Lieblingssong “Freedom” mit Wasser gefüllt. Queen Bey und ihre Tänzerinnen marschierten daraufhin nach vorne und absolvierten einen atemberaubenden und im wahrsten Sinne “spritzigen” Tanz mit den Füßen im Wasser.

Entsprechend war die Stimmung im Saal unfassbar gut. Ich habe noch nie und zwar wirklich niiiiie erlebt, dass das Publikum so abgeht wie bei ihr. Unglaublich!

Beyoncé

Beyoncé

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Aber wie das so ist mit hohen Erwartungen, werden sie leider auch sehr schnell enttäuscht und so muss ich auch ein paar Kritikpunkte nennen:

Zum einen war es unheimlich laut und schrill. Ja ich weiß, auf Konzerten ist es immer laut und ich mag es auch so, aber hier war es stellenweise wirklich kaum auszuhalten und absolut übertrieben.

Darüber hinaus, war der Ton sehr schlecht und – jetzt klinge ich wahrscheinlich wie Dieter Bohlen – es war absolut professionell, aber mir fehlten hin und wieder die Emotionen. Da war keine persönliche Note. Es wirkte etwas kühl, wie abgespult und ich hatte den Eindruck, sie singt Playback. Schade, denn ich hatte schon so viele Youtube-Videos gesehen, in denen sie etwas zu den Songs erzählt und sie dann mit viiiiiel Gefühl zum Besten gibt. Ich denke, das ist aufgrund der aufwendigen und für sie sicher körperlich auch enorm anstrengenden Show etwas auf der Strecke geblieben.

Der größte Kritikpunkt ist ein sehr persönlicher: Die Songauswahl. Das ist natürlich Geschmackssache, aber mir haben ihre ganz großen, weniger schrillen Songs gefehlt. Besonders vermisst habe ich “If I were a boy” und “Listen” und auch Songs aus dem aktuellen Album, wie z.B. “Sandcastles” hätte ich lieber gehört als einen nach meiner persönlichen Meinung eher nervenden Song wie “Don’t Hurt Yourself”.

Schließlich muss ich auch sagen, dass das Konzert mit insgesamt knapp 1,5 Stunden im Vergleich sehr kurz war. Ich hätte gern mehr gehört. Eine Zugabe gab es leider auch nicht.

Beyoncé

Fazit: Die Show war perfekt inszeniert, Beyoncé gewohnt professionell, jedoch es war mir stellenweise etwas zu schrill und zu unpersönlich. Nichtsdestotrotz war es ein toller Abend und ein super schönes Erlebnis!

Hier noch ein kurzer Mitschnitt. Leider auch dieser ohne Ton, weil die Kamera bei der Lautstärke die Stimme nicht mehr von den Bässen unterscheiden konnte und ich euch das, was dabei herausgekommen ist, nicht antun möchte 😉 :

 

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